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Tarifergebnis für Lufthansa-Beschäftigte – der Teufel steckt im Detail

Tarifergebnis für Lufthansa-Beschäftigte – der Teufel steckt im Detail

Am gestrigen 01. Mai wurde bekannt, dass sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) mit Lufthansa auf ein Ergebnis für die rund 33.000 Beschäftigten der AG Boden sowie der Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo verständigt haben.

Details zu dem Ergebnis wurden zunächst kaum in der Öffentlichkeit bekannt und offizielle ver.di-Vertreter hielten sich auch auf konkrete Nachfrage deutlich zurück. Im Laufe des gestrigen Tages wurden uns dann weitere Informationen „zugespielt“, die wir nachfolgend zusammengefasst und mit zusätzlichen Hintergrundinformationen versehen haben. Diese Informationen möchten wir euch selbstverständlich weitergeben, damit ihr ein besseres Bild zum Ergebnis der Verhandlungen habt.

1. Das Ergebnis steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ver.di-Tarifkommission und einer Mitgliederbefragung bis zum 14. Mai 2013.
Das Ergebnis der ver.di-Mitgliederbefragung ist allerdings für die Tarifkommission nicht bindend.
 

2. Beschäftigte der Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo erhalten 4,7 Prozent, die Beschäftigten der Lufthansa AG sollen 3,0 Prozent mehr Gehalt bekommen. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 26 Monaten.

Bei einer Laufzeit von 26 Monaten ergibt dies also eine Tariferhöhung von unter 1,4% bei der LH AG. Die Inflationsrate in Deutschland lag 2012 bei rund 2%, so dass wir an dieser Stelle Einbußen bei den Reallöhnen hinnehmen müssen. Die ver.di selbst hatte zu Beginn der Tarifverhandlungen differenzierte Erhöhungen nach Geschäftsfeldern gefordert – und zwar für die LHT, LCAG und LSY waren dies ursprünglich 5,5% und für die LH AG 4,5%. Diese Differenzierung hat Lufthansa gerne aufgegriffen, weshalb es hier zur Schlechterstellung bei der LH AG kommt.

3. Für alle Beschäftigten der Lufthansa wurde der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die Dauer des Tarifvertrages vereinbart.
Es ist eine Kernforderung der AGiL, alle Lufthanseaten an Bord zu halten! Dies würde aber auch den Ausschluss von Änderungskündigungen und Betriebsübergängen voraussetzen, denn nur so kann verhindert werden, dass wir in billigere Gesellschaften überführt werden können.
Die KollegInnen in Norderstedt und aus der HV Köln haben leider auch nichts von einem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen nur bis 2015, denn diese Betriebe sollen erst bis 2017 geschlossen werden.

4. Lufthansa möchte mehrere Billig-Gesellschaften gründen und dort neue, natürlich niedrigere Tarifbedingungen schaffen. So soll eine GBS Rhein-Main, GBS-Center Ost und neue dezentrale Stationsgesellschaften LHP gegründet werden (GBS ist ein Arbeitstitel und steht für Global Business Services)

Dieser Punkt ist der eigentliche Kern dieser Verhandlungen und hat massive Auswirkungen auf unsere zukünftigen Arbeitsplätze bei Lufthansa! Uns wurde gestern bekannt, dass am Tariftisch nicht nur über die Zukunft vieler administrativer KollegInnen verhandelt wurde, sondern auch unsere KollegInnen der dezentralen Stationen sollen in eine neue Billig-Abfertigungsgesellschaft übergeleitet werden. Wir müssen an dieser Stelle sicher niemandem erklären, dass bei geschaffenen Strukturen, auch die HUBs folgen werden.

5. Zu den GBS-Gesellschaften wurden weitere Eckpunkte bekannt.

a. Die Vergütung für GBS Rhein-Main soll auf Basis NVB erfolgen.
LH möchte Lufthanseaten in die GBS Rhein-Main überleiten, die nicht als ins Ausland auslagerbar eingestuft werden. Es geht hier also um „Kernarbeitsplätze“, die man zwar in Deutschland halten möchte, aber eben auf niedrigerem Lohnniveau. Die Vergütung soll zwar auf NVB-Niveau erfolgen, es wurde aber hierzu noch nichts Näheres verhandelt.

b. Die Vergütung für die GBS Ost und die dezentralen Stationsgesellschaften LHP soll auf Marktniveau erfolgen.
Eine Vergütung auf Marktniveau bedeutet, dass man sich hier an Billig-Abfertigungsgesellschaften wie Aviation-Power, AHS, etc. orientiert. Von einer Verlagerung in die neue Gesellschaft „dezentrale Stationen“ sind zunächst alle deutschen Stationen außer Frankfurt und München betroffen.

Für alle neuen Gesellschaften wurde weiterhin bekannt:

a. Neue Urlaubsstaffel von 25 bis 30 Tagen
Gestaffelt nach Zugehörigkeit soll es 30 Tage Urlaub pro Jahr erst ab dem 7.
Beschäftigungsjahr geben.

b. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, betriebliche Altersversorgung und Ergebnisbeteiligung wird es verbindlich geben
Auch hier wurde lediglich eine Bereitschaft der Tarifpartner signalisiert, aber keinerlei Details über die Höhe oder Formen der Ausgestaltung vereinbart.

c. Arbeitszeit 37,5 Stunden, Arbeitszeitkorridor 39 Stunden
Dies bedeutet, dass KollegInnen in den Gesellschaften auch bis zu 39 Stunden/Woche ohne Lohnausgleich arbeiten müssen.

d. Die Tarifpartner wollen wettbewerbsfähige Zeitzuschläge vereinbaren, die sich an steuerlichen Rahmenbedingungen orientieren.
Auch an dieser Stelle soll es also massive Einschnitte geben.

e. Beschäftigungssicherung für die von der Überleitung betroffenen KollegInnen
Nur wenn ein wettbewerbsfähiger Tarifvertrag (also deutlich unter NVB Niveau) geschlossen wurde, soll es einen Kündigungsschutz für die Betroffenen bis 2020 geben.

Die Eckpunkte zu den neuen Gesellschaften sollen zwischen den Tarifpartnern bis Ende Oktober 2013 verhandelt werden, aber ver.di hätte dann keine Druckmechanismen, denn dafür wäre ein Streik nicht mehr möglich.

Es wurde bereits vereinbart, dass die Überleitung der betroffenen Lufthanseaten in die neuen Gesellschaften, unter einheitlichen Produktivitätsbedingungen mit dem Bestandpersonals stattfinden soll. Dies hieße, dass auch Bestandssicherungen der Lufthanseaten schon jetzt nicht mehr gehalten werden können.

Der AGiL liegt das paraphierte Verhandlungspapier der beiden Tarifpartner vom

01. Mai 2013 vor und unsere Aussagen sind auf Basis dieses Papieres gemacht worden.

Der Ausverkauf der Passage darf nicht so nicht passieren! Wir fordern daher die ver.di im Namen unserer Mitglieder und vieler unserer KollegInnen auf, dieses Papier nicht final zu unterzeichnen und weiter gemeinsam für den Erhalt unserer Arbeitsplätze bei LUFTHANSA zu kämpfen!

Euer AGiL-Bundesvorstand

Andreas Strache
(Bundesvorsitzender)

Thorsten Beißner
(1. stellv. Bundesvorsitzender)

Felix Stahlke
(Bundesgeschäftsführer)

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