Schlagwort: Altersversorgung

Lufthansa kündigt Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

nachdem in den letzten Monaten immer mehr Pläne des Lufthansa Managements zum Gewinnoptimierungsprogramm SCORE bekannt wurden, die bei näherer Betrachtung oft nicht sinnvoll sind und deren Auswirkungen das Unternehmen nachhaltig schwächen werden, erfuhren wir am vergangenen Sonntag aus dem Magazin DER SPIEGEL von den jüngsten Plänen des Lufthansa Vorstandes. Offenbar hält man die gegenwärtige Schockstarre großer Teile der Belegschaft für den richtigen Zeitpunkt, um die Axt des sozialen Kahlschlags erneut anzusetzen. So wurde bekannt, dass man die tarifliche Vereinbarung zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) zum Ende des Jahres kündigen möchte!

Rentenstabilität

Die Kündigung des Tarifvertrages bedeutet zunächst nur eine Verhandlungsverpflichtung für die Tarifgewerkschaften und hat bis zum Abschluss einer neuen Vereinbarung keine Auswirkungen auf das Bestandspersonal, da die aktuelle Regelung solange in der Nachwirkung ist, bis eine andere ablösende Regelung in Kraft tritt.

Lufthansa sprach von einer notwendigen Reform der bAV und begründete dies mit den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt verbunden mit der steigenden Lebenserwartung, weshalb die Lufthansa-Rentenkasse nicht mehr genügend erwirtschafte und hier im Jahre 2012 eine Lücke von 260 Millionen Euro geschlossen werden musste. Lufthansa möchte zukünftig u.a. dieses Zinsrisiko auf die Mitarbeiter verlagern.

Hier sollte aber auch erwähnt werden, dass das Unternehmen seit Einführung der LH-Betriebsrente im Jahre 1994/95 auch erheblich an dem System partizipiert hat. Neben finanziellen Vorteilen profitierte das Unternehmen durch eine attraktive bAV auch bei der Rekrutierung und langfristigen Motivation seiner Mitarbeiter. Es wird zukünftig am Arbeitsmarkt immer wichtiger werden, gutes Personal zu gewinnen, denn der demographische Wandel wird den Mangel an Fachkräften zunehmend verstärken.

Die Beratungsgesellschaft Towers Watson führte im Jahre 2012 eine Studie mit dem Titel: „Betriebliche Altersvorsorge: Was Mitarbeiter wollen“ durch. Befragt wurden rund 2000 Arbeitnehmer aus verschiedenen großen Unternehmen in Deutschland. Die Ergebnisse bestätigen unsere Einschätzung, denn es gaben 55% der Arbeitnehmer an, bei der Wahl des Arbeitgebers das jeweilige Angebot zur bAV mit einbeziehen. In Unternehmen mit attraktiver bAV sprachen sich rund die Hälfte der Befragten dafür aus, dem Unternehmen aufgrund der bAV treu zu bleiben, während es bei Unternehmen mit unattraktiver bAV gerade einmal 12% waren.

Unser Rentensystem ist heute auf 3 Säulen aufgebaut:

  • die gesetzlichen Rente
  • die betrieblichen Altersversorgung (bAV)
  • die private Altersvorsorge

Die Säule der gesetzlichen Rente wird in der Zukunft unser Altersauskommen nicht alleine tragen können, weshalb die anderen beiden Säulen immer wichtiger werden. Die Politik hat den Weg zu einer stärkeren betrieblichen und privaten Altersversorgung bereits geebnet und wir Arbeitnehmer haben uns entsprechend darauf vorbereitet, indem wir auch die bAV in die Altersplanung einbezogen haben und u.a. deshalb Lufthansa als Arbeitgeber gewählt haben. Wenn Lufthansa nun in bestehende Verträge eingreift, sollte auch juristisch geprüft werden, inwieweit dies z.B. unter den Gesichtspunkten des Vertrauensschutzes rechtlich zulässig ist (u.a. Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts 3 AZR 431/10 vom 18.09.12).

Aber auch unabhängig von einer rechtlichen Auseinandersetzung darf sich das Lufthansa Management auf erheblichen Widerstand unserer KollegInnen einstellen. Der Lufthansa Vorstand um Herrn Dr. Christoph Franz hat seit Verkündung seiner SCORE Pläne das Vertrauen der eigenen Belegschaft sukzessive auf einen absoluten Tiefpunkt gebracht, was vor allem der Art und Weise seines Handelns und der Kommunikation geschuldet ist.

Statt getreu der Lufthansa Tradition die Dinge gemeinsam anzupacken, verfolgt der Vorstand unbeirrt seine Linie: Beschlossen und verkündet!

Das schafft kein Vertrauen, sondern fördert Misstrauen, Frustration oder sogar die Flucht aus dem Unternehmen. Diese Entwicklung ist gerade für ein Dienstleistungsunternehmen schlichtweg fatal!

Die Lufthanseaten haben in den letzten Jahren auf Lohnsteigerungen verzichtet, u.a. auch um die Stabilität der bAV zu gewährleisten und werden einen Ausverkauf der Altersversorgung nicht kampflos hinnehmen.

Die AGiL wird dabei auch unsere fliegenden KollegInnen unterstützen, denn hier eine Neiddiskussion aufgrund der vereinbarten Übergangsversorgung für die fliegenden KollegInnen zu eröffnen, spielt dem Arbeitgeber nur in die Hände und wird von uns missbilligt!

Wir fordern daher alle Gewerkschaften und KollegInnen auf, den Schulterschluss zu suchen und gemeinsam für unsere Zukunft einzustehen!

Mit kollegialen Grüßen,

Andreas Strache
(Bundesvorsitzender)
Thorsten Beißner
(1. stellv. Bundesvorsitzender)
Wilfried Schmitz
(2. stellv. Bundesvorsitzender)
Felix Stahlke
(Bundesgeschäftsführer)
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